SANDA.2010
Am Samstag, den 18. September 2010, fand in Herne beim Sportverein GEA-Happel e.V. eine SANDA Einladungsveranstaltung für Schüler traditioneller Kung-Fu-Systeme statt. Insgesamt 9 Kämpfe standen am Tage auf dem Programm, wobei der Fokus auf Erstkämpfer und Newcomern lag. Kung-Fu-Schüler sollten an diesem Tag, in kontrollierter Atmosphäre und unter Gleichgesinnten, Kampferfahrung sammeln können.
Der Unterschied vom chinesischen SANDA zu anderen Vollkontaktformaten, wie Muay Thai oder K1, ist, dass es im SANDA erlaubt ist des Gegners Beine zu fangen und ihn danach zu werfen. Sollten dabei beide Kämpfer zu Boden gehen, so wird am Boden 10 Sekunden weitergekämpft. In den Anfängerklassen wird im SANDA noch ohne Ellenbogen und Knie gekämpft. SANDA wird meist von Schülern traditioneller Kung-Fu-Systeme als Trainingsmittel für Zweikampferfahrung trainiert, erfreut sich aber auch darüber hinaus wachsender Beliebtheit.
Formenpräsentation
Beim SANDA.2010 sollten nur Kämpfer aufeinandertreffen, die unter der Woche, neben dem Sanda, hauptsächlich ein traditionelles Kung-Fu-System üben. So wurde als ein Zulassungskriterium das Präsentieren einer Form zur Bedingung für jeden Kämpfer. Diese neue Regelung sollte sich während der Veranstaltung als eine schöne Möglichkeit erweisen, dem Zuschauer weitere Trainingsinhalte seiner praktizierten Kampfkunst zu zeigen und den Tagesablauf aufzulockern. Der Moderator spickte dabei die Ankündigung der Form mit Informationen zum System und Schule, so dass immer die Verbindung zum traditionellen Kung-Fu vorhanden war. Bewertet wurden die Formen nicht.
Die Organisation

Unser Moderator Martin
Am Kampftag konnte die Herner Gruppe dann die Früchte der guten Vorbereitung ernten und einen reibungslosen und stressfreien Ablauf von SANDA.2010 präsentieren. Es gab weder technische noch organisatorische Pannen und 18 Herner Kung-Fu-Schüler leisteten perfekte Arbeit, damit sich die eingeladenen Gäste im Sportzentrum Südstraße wohlfühlten. Sie schafften es eine freundliche und entspannte Atmosphäre zu erzeugen und hatten sichtlich Spaß an der Arbeit.
Die Kämpfe
Die Idee von SANDA.2010 war, dass Kung-Fu-Schüler mit vergleichbaren Schülern anderer Schulen Kampferfahrung sammeln. Der Fokus lag dabei auf Kampfkünstlern, die noch keine Kämpfer waren. Ein Paradebeispiel für die Umsetzung dieser Idee war der Kampf zwischen den Erstkämpferinnen Julia Tank (Neu-Ulm) und Maili Winoto (Herne). Beide standen zum ersten Mal einer Gegnerin gegenüber und lieferten sich einen spannenden und harten Kampf über drei lange Runden, bei dem beide großartige Erfahrungen machen konnten. Maili Winoto ging daraus als Punktsiegerin hervor und wurde am Ende vom Kampfgericht für ihre Leistung als beste Newcomerin gewürdigt.

Maili Winoto muss einen Tritt von Julia Tank nehmen.
Nachdem in den letzten Tagen vor SANDA.2010 die Fightcard, durch gesundheitlich bedingte Absagen, nochmal kräftig durchgeschüttelt wurde, kamen von ursprünglich geplanten 13 Kämpfen noch 9 zusammen. Zwei Kämpfer mussten dabei sogar zweimal kämpfen.
Es herrschte von der ersten bis zur letzten Runde des Tages eine entspannte und freundschaftliche Atmosphäre zwischen den Teams. Außer Erfahrung und Anerkennung gab es für die Kämpfer nichts zu gewinnen, was jeden Erfolgsdruck nahm und den Austausch in den Vordergrund rückte. Jedes Team setzte diese gestellten Auflagen so gut es ging um und es gab keine strittigen oder im Nachhinein zu diskutierenden Entscheidungen. Kampfrichter Dietmar Berg (Fighters World Gym, Herne) hatte zu jederzeit die Kämpfe voll im Griff und leitete die größtenteils Anfänger souverän durch ihre ersten Kämpfe. Das Kampfgericht bestand aus externen unabhängigen Experten, die die Kämpfe objektiv bewerten konnten. Mit Isa Topal (Herne) und Michael Streit (Bochum) waren zwei ehemalige Sanda-Vollkontaktkämpfer und mit Demian Bülbül (Bochum) ein noch aktiver Sandakämpfer an den Punktzetteln und werteten die Kämpfe durchweg unstrittig. So unstrittig, dass Supervisor Friedhelm Tippner einen entspannten Tag hatte.
In der Vorbereitung zu SANDA.2010 wurde vom Veranstalter darauf geachtet, dass die Kampfpaarungen mit gleicherfahrenen Gegnern zusammengestellt wurden. Für jeden Kämpfer sollte ein vergleichbarer Gegner aus einer anderen Schule gefunden werden, so dass der Austausch auf der Kampffläche vergleichbar und fair stattfinden konnte. Da es noch keine einheitliche Kämpferdatenbank aller Sandakämpfer gibt, der man einen Kampfrekord entnehmen kann, musste hier auf das Wort der Lehrer gesetzt werden, die für die korrekten Angaben bürgten. Ehrensache. Bitter: Leider wurden uns in der Bewerbungsphase Kämpfer als Newcomer und Erstkämpfer gemeldet, die bereits Platzierungen im Vollkontakt (auf deutschen Kung-Fu-Veranstaltungen) erreicht hatten. Nach Bekanntwerden sind diese Paarungen, verständlicherweise, nicht zu Stande gekommen.
Fazit
Ein rundum gelungener Tag für die deutsche Kung-Fu-Szene und das bleibende Gefühl etwas Neues erschaffen zu haben. Alle, die am 18. September 2010 in Herne dabei waren konnten nach dem Schlusswort von Christian Kubiak eine allgegenwärtige „bis zum nächsten Jahr“ Stimmung spüren.

Es stand nach SANDA.2010 bei allen Helfern, Zuschauern und Teams zu keiner Zeit mehr die Frage offen ob, sondern nur noch wann SANDA.2011 stattfinden würde.
Bleibt noch zu sagen, dass es trotz harter Auseinandersetzungen keine Verletzungen der Kämpfer gab.




