KFM – Keysi Fighting Method “White Grade”
KFM (Keysi Fighting Method) heißt eine neuere Kampfkunst die zum Ziel hat Straßenkampftechniken methodisch zu vermitteln. Fünf Tage lang waren zwei Referenten aus Berlin in Gelsenkirchen zu Gast, um interessierten Ruhrpottlern die Grundlagen des KFM zu vermitteln und einen Einblick zu geben – ich war einer davon.
In der internationalen Kampfkunstszene wimmelt es von Leuten, die selber „schon alles trainiert” haben, nie wirklich zufrieden mit den Ergebnissen ihrer klassischen Ausbildung waren und nach effektiveren (einfacheren) Mitteln suchen ihre Verteidigungsfähigkeit zu verbessern. Es liegt für viele diese Kampfkünstler dann nichts näher als alles bisher Gelernte in Frage zu stellen, zu reduzieren und mit allem was man sonst noch kennengelernt zusammenzuwerfen. Heraus kommt dabei dann ein neues Kampfsystem, welches dann, nach Ansicht der Erfinder, neu, ultimativ und hoch effektiv ist. Eines dieser neuen hybriden Systeme nennt sich KFM (Keysi Fighting Method), welches sich zurzeit auf den deutschen Merkt drückt und deren Macher damit werben, dass es in Europa – auf der Straße entstanden sei. In Gelsenkirchen gab es in der letzten Woche dazu einen fünftägigen Intensivlehrgang, der sämtliche Grundlagen des ersten (von zirka 20) Levels methodisch vermitteln sollte. Mich hat dabei das Konzept interessiert, wie KFM dem angehenden Straßenkämpfer vermittelt wird. Wie wird ein Kampfkonzept welches auf der Straße entstanden ist und dort funktionieren soll heute erfolgsorientiert vermittelt?
Bei der Einleitung der Referenten Anthony Nguyen und Steve Hansche aus Berlin wurde kurz etwas zur Geschichte und zu den Erfindern von KFM gesagt. Einer davon ist ehemaliger Jeet Kune Do Praktizierender, a-ha…
Es wurde zu Beginn ein Blick auf den schriftlich ausgearbeiteten Aufbau der Ausbildung und das Konzept geworfen wie KFM vermittelt wird: sehr klar formuliert, strukturiert, methodisch – alle Achtung, da hat sich jemand wirklich Mühe gegeben und sich richtige Gedanken gemacht.
Ab da an war Praxis angesagt:
Ein System von Grund auf zu lernen und die Grundlagen Leuten in einer Woche beizubringen ist eine schöne Herausforderung, für Referent und Übenden. Ich hatte ein wenig Angst, dass die Zeit mit Cardioschlachten und irgendwelchen Fitnessübungen vergeudet werden könnte, doch mit Nichten. Die gesamten fünf Tage waren von der ersten bis zur letzten Minute dafür da KFM zu lernen – so wie es in der Einleitung methodisch beschrieben und vorgegeben war. Kampfstellung, Schrittschule, Grundschläge. Vorm Spiegel, an der Pratze, im Einsatz. Glänzend aufgebaut und didaktisch hervorragend aufbereitet. Neben den Standardübungen immer wieder Ausblicke und individuelle Tipps und Erweiterungen der Referenten erweiterten Perspektive und Horizont. So gingen die fünf Tage um wie im Flug und durch das drillmäßige einstudieren weniger Grundtechniken war man bereits nach kurzer Zeit in der Lage die Inhalte unter hohen Druck- und Stressbedingungen gegen ein und dann mehrere Gegner anzuwenden.
Inhaltlich war das eigentlich für 16 Wochen (je 2 Stunden) ausgelegte Programm straff: Schritt- und Standschule, sechs Grundschläge, Griffe, frontale Tritte, Einsatz von Knie und Ellenbogen, ein Niederwurf und sichere Aufstehen machten die erste Stufe komplett und rund. Nicht zu viel, nicht zu wenig.
Rein technisch gab es nicht wirklich Neues zu entdecken, aber andere Sichtweisen und Ausübungsarten. Die Art und Weise, wie die Dinge vermittelt werden ist im KFM wirklich hervorragend aufbereitet. Für den Übenden gibt es klare Vorgaben und Aufgaben, die unter wirklich hohem Stress drillmäßig eingeschliffen werden – es muss auf der Straße funktionieren. Wer so trainiert, der wird dieses Ziel höchstwahrscheinlich erreichen. Es wird nicht so sehr auf korrekte Ausübung der Techniken geachtet, wohl aber auf korrekte Körpermechanik.
Der Schlusspunkt am Freitag war eine „Massenschlägerei“ auf einem Parkplatz außerhalb des Studios, bei dem die Inhalte in kompakter und kombinierter Form zum Einsatz kamen.
Die eine Woche in Gelsenkirchen hat Straßenkampf am Puls der Zeit vermittelt. Hart, dreckig und ohne Platz für reglementierte Duellkampfgedanken. Ob Kneipe, U-Bahn oder Fußballplatz KFM ist da zu Hause, wo es wirklich tugendlos zur Sache geht.



